Kawo Reland über “Mein Leben”

“Mein Leben” ist sowohl Titel des Filmes, als auch Titel der Realitysendung, welche Bestandteil des Filmes ist. Eine Fernsehwohngemeinschaft wird zur Ersatzfamilie für kommunikationsarme Menschen, manches mal aber auch für gefährliche Irre… Letzteres scheint die Ausgangssituation im Film zu sein. Die Brut welche von Fernsehproduzent Ernst Sessmann durch seine Programme gezüchtet wurde rächt sich an ihrem eigenen Schöpfer wenn er ihnen wieder nimmt was er ihnen gab, weil er – spät aber doch – zur Einsicht gelangt ist… Es stellt sich die Frage ob zuerst die Nachfrage des Zusehers nach derartigen Sendeformaten im Raum stand, oder vielleicht doch das unangefragte Angebot bestimmter Fernsehsender… Waren es die Zuseher welche zu den Sendeanstalten gingen und sagten: "Bitte lasst uns langweiligen Menschen bei noch langweiligeren Tätigkeiten zusehen denn unser eigenes Leben ist zu wenig aufregend?" Freilich bleibt es jedem selbst überlassen einen anderen Kanal zu wählen, aber mal ernsthaft: Ist es nicht doch irgendwie wahnsinnig interessant fremden Menschen beim Duschen, Zähneputzen, WC Reinigen, Streiten, Faxen machen, ja dann und wann sogar beim ääähm Fic... zuzusehen? Selbstverständlich würde der Großteil (einschließlich mir selbst) sofort mit “Nein” antworten, aber mal Hand aufs Herz: Sind wir nicht gelegentlich alle manchmal kleine Voyeure? Sitzen wir nicht alle dann und wann – beinahe wie unser geknebelter Protagonist Ernst Sessmann – vor dem Apparat und lassen uns mundtot machen? Ist das die Realität?

"Mein Leben" ist eine österreichisch - deutsche Zusammenarbeit. Gedreht wurde in Wien, große Teile der Postproduction entstanden in Deutschland. Viel Vergnügen bei diesem kleinen Kammerspiel undvergessen Sie nicht:
 “Leben sie doch ihr eigenes Leben!”